Zoe’s Bruder – Der Nissan Leaf

Nachdem ich im Internet auf den Nissan Leaf gestoßen bin, schlage ich den Weg zum Nissan Händler in Darmstadt ein, der sich im Übrigen nur wenige Meter vom Renault Autohaus befindet. In Norwegen fahren schon einige Leafs durch die Gegend, kein Wunder wird die Elektromobilität dort doch stark gefördert. Keine Maut (in Deutschland gibt es die gottlob noch nicht), keine Mehrwertsteuer, kostenfreie Parkplätze mit 3500 Ladesäulen alleine in Oslo, Nutzung von Busspuren für Elektrofahrzeuge, es gibt reichlich Anreiz für die Norweger ein Elektroauto zu fahren. In 6 Monaten wurden in Norwegen 1000 neue Leaf zugelassen…wow, so schlecht kann das Auto also nicht sein.

Nach kurzer Nachfrage erhalte ich bereits einen Termin für eine Probefahrt ein paar Tage später.

Mittlerweile ist mir das Gefühl der elektrischen Fortbewegung nicht mehr fremd und doch ist es jedes Mal wieder spannend, ein anderes Fahrzeug auszuprobieren. Ich übernehme das Fahrzeug und habe auch hier einen halben Tag Zeit, das Auto zu testen. Während dessen lasse ich bei Nissan meine C-Klasse bewerten.

Leaf InnenIch setze mich in den Nissan und drücke den Startknopf. Ein ganzer Christbaum am Lichtern, begleitet von einem Windowsähnlichen Startsound, leuchtet auf. Der Nissan klingt nicht ganz so mystisch, lediglich ein leises fiepen nimmt man bei der Fahrt wahr. Insgesamt wirkt das Fahrzeug auf mich wertiger, allerdings handelt es sich auch um die Top Ausstattung Tekna mit Ledersitzen. Ein wenig schmunzeln muss ich schon, als ich sehe, dass man sich bei Nissan Leaf Kofferraumeinfach ein bisschen Leder gespart hat. Die jeweils zur Mittelkonsole gerichtete Seite der Sitzpolster ist mit Stoff bezogen, fällt kaum auf aber ich habs gesehen und finde es irgendwie peinlich. Gut, Leder käme für mich sowieso nicht in Frage, mag ich nicht ! Ansonsten wirkt der Nissan im Gegensatz zum Renault geradezu verspielt, viel zu viele Knöpfe, selbst für mich als Technikfreak. Es dauert eine halbe Stunde, bis ich, in Ermangelung einer Gebrauchsanweisung, den Rückstellknopf für den Tageskilometerzähler finde. Beim Lenken verstellt man an dem Mini-Joystick auf dem Lenkrad schnell den Radiosender, der Tempopilot ist wenig intuitiv und den Sinn des B-Modes habe ich bis heute icht verstanden. Bei Nissan muss man zwei mal in D-Schalten, um den Rekuperationsmodus (B-Modus) zu aktivieren, sonst fährt das Auto ohne Rekuperation. Beim Rückwärtsfahren piept das Fahrzeug wie ein leaf-plug_webLKW. Den Leaf kann man an einer herkömmlichen Steckdose laden, was ich sogleich ausprobiere, muss aber feststellen, dass das mit 2KW pro Stunde doch recht langwierig ist. Also, ähnlicher Kurs,wie damals mit ZOE. Auch meine Frau soll das Auto testen, doch bei Ihr fällt der schon nach dem Start durch, dieses Geblinke und Getöse beim Starten ist Ihr zu aufdringlich und dann noch dieses doofe zweigeteilte Display…irgendwie hat sie ja Recht. Hübsch findet Sie ihn auch nicht, zugegeben von außen fand ich den Renault auch schicker, in Sachen Design hatten die Franziosen schon immer ein gutes Näschen.

Leaf "Tannenbaum"Der Antritt des Elektromotors vom Leaf ist noch etwas aggressiver als beim Renault, die 20 PS Mehreistung sind aber nicht zwingend notwendig. Ich fahre auch wieder über die Autobahn zu meinen Eltern, denen der Nissan eigentlich sehr gut gefällt. Auf dem Rückweg beschleunige ich auf 160 km/h…Respekt…aber reden wir nicht vom Energieverbrauch bei dem Tempo. Immerhin gelingt es mir einen Tannenbaum zu bauen, ein kleines Gimmik, was dem Fahrer eine besonders ökologische Fahrweise im oberen Display des Armaturenbrettes attestiert.

Nachmittags bringe ich den Leaf zurück und unterhalte mich mit dem Verkäufer.Dank höherem Restwert ist der Nissan ein wenig günstiger in der Monatsrate daher bin ich trotz aller kleinen Kritikpunkte nicht abgeneigt von dem Fahrzeug. Tja, dann kommen wir zum Ergebnis der Bewertung meiner C-Klasse. Man bestätigt mir den Top-Zustand des Fahrzeugs, bietet mir aber 1300 € unter dem Schwacke Ankaufspreis für Händler an. Man würde sich nicht nur an Schwacke orientieren sondern auch am Markt üblichen Verkaufspreis und er zeigt mir auf Mobile.de ein paar Anzeigen, in denen vergleichbare Autos für ca. 8000 € verkauft werden. Ich entgegne, dass ich in der glücklichen Situation bin, nicht unbedingt ein Auto kaufen zu müssen und mich nicht unbedingt von meiner C-Klasse trennen muss und verlasse mit ein paar Finanzierungsbeispielen den Nissan Verkaufsraum. Ein Blick auf die Angebote zeigt, dass es mit den auf der Webseite angepriesenen 159 € nicht weit her ist. Mit einer Gesamtlaufleistung von 40000 Kilometern in 48 Monaten erhält man dafür den Leaf in der eher spärlichen Grundausstattung. Vergleichbar konfguriert wie ein Zoe Intens, liegt dann auch die Monatsrate nahezu identisch bei ca. 230 € sofern man 6500 € anzahlt.

Ich fahre vom Nissan Händler direkt zu Renault und mache dort einen Termin zur Bewertung meiner C-Klasse aus. Abends schaue ich dann selbst bei mobile.de und suche dabei nach Fahrzeugen von Händlern mit Garantie. Siehe da, auf einmal stehen da ganz andere Zahlen. Unter 9500 € ist da kein C220 CDI T-Modell mit vergleichbarer Laufleistung zu bekommen…

 

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4 Responses to Zoe’s Bruder – Der Nissan Leaf

  1. Sven Lader says:

    Dein Modell schaut wirklich super aus, wie hat sich bei Dir die Batterieleistung über die Zeit entwickelt? Ich habe gelesen, dass mit steigender Anzahl von Ladezyklen eine massive Ladungsabnahme zu verzeichnen ist.

    • admin says:

      Hallo Sven,

      ich fahre nicht den Nissan Leaf, mit welchem sich dieser Artikel befasst, sondern den Ranault Zoe. Seit November bin ich 9000 Kilometer gefahren, die Reichweite ist nach 67 Ladezyklen unverändert. Ich nehme an, dass eine Ladungsabnahme erst bei deutlich mehr Ladezyklen feststellbar wird. Ist aber auch relativ egal, denn ab 75% maximaler Leistung wird zu Lasten von Renault der Akku getauscht.

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