6 Monate B250 ED – Ein erstes Resümée

IMG_8757Wie doch die Zeit vergeht ! Nicht genug, dass man sich im Dezember immer wieder die Frage stellt, wo eigentlich das Jahr geblieben ist, dass doch gerade erst angefangen hat, da knackt heute der Zähler der „gerade eben“ gekauften elektrischen B-Klasse die 10000er-Marke – Zeit für ein erstes Fazit. Nach 4 elektrischen Jahren, sollte die Zoe in diesem Jahr ersetzt werden. Eigentlich sollte ein Hyundai IONIQ die Nachfolge der Französin antreten, leider war Hyundai jedoch nicht in der Lage die zugesagte Lieferzeit einzuhalten. Frustriert von dem ausbleibenden und immer wieder verschobenen Liefertermin, fuhr ich eine elektrische B-Klasse Probe und war als langjähriger Mercedefahrer infiziert. Als ich dann noch das passende Angebot eines Vorführwagens mit jungfräulichen 3000 Kilometern fand, waren die Würfel gefallen, der Hyundai wurde storniert und die B-Klasse ersetzte die Zoe.

Der Zweitwagen der zum Erstwagen wird

B-Klasse HammermuehleSechs Monate sind nun vergangen in denen 7000 Kilometer zurückgelegt wurden, die Laufleistung zeigt, die B-Klasse wird rege genutzt. Aufgrund Ihrer Größe taugt die elektrische B-Klasse zu weit mehr als einem Fahrzeug, welches einen zum nahegelegenen Supermarkt oder zum Arbeitsplatz bringt. Dank getrennt umlegbarer Sitze im Fond (ja…nach 4 Jahren Zoe empfindet man das schon als Luxus 😉 ), einem umlegbaren Beifahrersitz und einem aufgrund der Höhe großzügigen Innenraum, verdient die B-Klasse durchaus die Bezeichnung Mini-Van. Bei mancher Veranstaltung sorgte sie für erstaunte Blicke, als Hochzeits-DJ tätig fragte mich B-Klasse Laderaum DJ 1die Wirtin einer Location, ob ich das alles mit dem Auto befördert hätte. Klar, es ist schon ein wenig Packtaktik gefragt, doch aufgrund der Tatsache, dass ich die Standardanlage für eine Feier in die B-Klasse bekomme, stand sich meine V-Klasse in diesem Jahr bisweilen die Räder eckig und ich konnte zahlreiche Veranstaltungen lokal emissionsfrei beliefern. Die B-Klasse mutiert also zum Erstfahrzeug und macht den großen Diesel-V-Klasse B-Kasse VitoVan fast überflüssig. Wären da nicht doch weiter entfernte Veranstaltungen oder Feiern mit größerer Technik sowie der Wohnwagen für die Urlaubsfahrt, welcher ein ordentliches Zugfahrzeug benötigt, ich könnte mir die V-Klasse fast sparen. Für die, welche nur selten ein zweites Fahrzeug benötigen bietet Mercedes mit dem B-Flexible Paket eine passende Lösung. Wer seine elektrische B-Klasse least oder finanaziert erhält für die Dauer des Vertrags für jeweils 15 Tage pro Jahr einen Mercedes seiner Wahl, um z.B. in Urlaub zu fahren.

Besser als ihr Ruf – Die elektrische B-Klasse

B-Klasse ED FondViele Elektromobilisten rümpfen bei der B-Klasse die Nase, weil sie so ineffizent sei. Tatsächlich ist der Elektrostern nicht die sparsamste Form der elektrischen Fortbewegung. Mit Verbräuchen von 16 bis über 30 kWh (im Winter) genehmigt sich die Schwäbin zwischen 3 und 10 kWh mehr als ihre Vorgängerin aus Frankreich. Der Hyundai IONIQ wäre mit Verbrauchswerten zwischen 12 und 18 kWh natürlich deutlich sparsamer gewesen, bietet aber aufgrund der windkanaloptimierten Form nicht das Platzangebot des Minivans aus Stuttgart – im Fond der B-Klasse haben sogar Erwachsene Männer Kopffreiheit. Für ein Fahrzeug dieser Größenordnung geht der Mehrverbrauch also absolut in Ordnung, ein VW Touran verbraucht schließlich auch mehr als ein Polo.

Bis zu 200 Kilometer Reichweite sind drin

B250ED TankstelleDass Katalogwerte wenig mit der Realität zu tun haben, weiß man nicht erst seit es Elektrofahrzeuge gibt. Laut NEFZ soll es die elektrische B-Klasse auf bis zu 230 Kilometer bei aktiviertem Range-Plus schaffen, ein utopischer Wert. Wird Range-Plus vor dem Ladevorgang aktiviert, werden 15% mehr Akkukapazität für den Ladevorgang freigegeben. Mercedes verspricht damit bis zu 30 Mehrkilometer, natürlich gemäß NEFZ. Ohne Range-Plus B250E Reservesollen es 200 Kilometer sein, natürlich immer unter optimalen Bedingungen bei milden Temperaturen. Selbst bei extrem vorausschauender und defensiver Fahrweise mit maximal 100 km/h im ECOplus-Modus, ließen sich im Realbetrieb mit Range-Plus maximal 200 Kilometer erreichen. Ohne Range-Plus schafft man es als rollende Wanderdüne auf 180 Kilometer und bei normaler Fahrweise auf 150 Kilometer. Im Winter reduziert sich die Reichweite auf B250ED Verbrauch Alltagmaximal 150 Kilometer mit Range-Plus, wohlgemerkt bei defensiver Fahrweise. Im Alltagsbetrieb sind bei winterlichen Temperaturen je nach Heizungsnutzung und Geschwindigkeit 100 bis 120 Kilometer zu schaffen, bevor der Stern für 3 Stunden ans Ladegerät muss. Damit liegt die elektrische B-Klasse von den Reichweitenwerten auf dem Niveau des Renault Zoe mit 22 kWh-Akku. Da der Akku der B-Klasse jedoch 28 kWh Leistung hat, kann man pauschal sagen, dass die elektrische B-Klasse auf die Gesamtreichweite in etwa 6 kWh mehr verbraucht als der Renault. Fährt man im Winter viel Kurzstrecke, darf man sich nicht wundern, wenn der momentane Durchschnittsverbrauch auf 50 kWh je 100 Kilometer ansteigt. Grund dafür ist neben der Klimaanlage und der im Winter geringeren Akkukapazität die Akkuheizung. Man kann das in etwa mit dem Kaltstart eines Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor vergleichen, welcher im kalten Zustand und im Kurzstreckenbetrieb auch mehr verbraucht.

Fehlender Schnelllader mindert Langstreckenqualitäten

IMG_0392Wo die elektrische B-Klasse gegenüber dem IONIQ das Nachsehen hat, ist beim Lader. Der Hyundai kann an Geleichstromladesäulen bis zu 100 kW/h laden, die elektrische B-Klasse schafft maximal 11 kW/h an Wechselstrom, einen Gleichstromlader gibt es nicht. Die Zoe konnte bis zu 43 kW/h an Wechselstrom laden…allerdings nur auf dem Papier. Im Realbetrieb habe ich meist an einer 22 kW-Ladesäule geladen und effektiv dauerte es je nach Jahreszeit bis zu 4 Stunden, bis der 22 kW-Akku der Zoe aufgeladen war. B-Klasse ED Verbrauch StreckeAnders beim Mercedes, der 28 kWh große Akku ist in maximal 3 Stunden aufgeladen, Sommer wie Winter. Kein stundenlanges Balancing bei 99 % an der Ladesäule, die Ladeanzeige springt direkt von 99 auf 100 % und der Akku ist voll. Für den Alltag reicht das allemal, eine Urlaubsfahrt möchte man nach 150 Kilometern jedoch nicht für 3 Stunden unterbrechen. Schade, dass man hier keine Kooperation mit Tesla eingegangen ist, welche den elektrischen Antriebsstrang nebst Akkus und Ladetechnik zur B-Klasse beisteuern. Technisch wäre es sicher möglich gewesen, den Akku in 30 Minuten fast vollständig aufzuladen. Für mein Streckenprofil gab es bislang keine Situation, bei der ich einen Schnelllader gebraucht hätte, die längste Strecke betrug Anfang November 130 km, welche Dank Range-plus-Funktion problemlos bewerkstelligt werden konnte.

Anfangs zicken die vernetzten Dienste

Mercedes Me offlineDie Vernetzung von Autos scheint mit Problemen behaftet zu sein. Bereits mit der Zoe gab es Schwierigkeiten, die Heizung per Smartphone-App zu starten. Erst der Austausch des UMTS-Moduls brachte Abhilfe. Dass es jedoch bei Mercedes mit den Mercedes Me-Diensten ähnliche Probleme gab und die Herstellung der Funktiosfähigkeit selbiger ganze 3 Monate betrug, war schon enttäuschend. Seither funktioniert die Vernetzung sehr zuverlässig und es ist äußerst angenehm im Winter in ein vorgewärmtes, eisfreies Fahrzeug zu steigen. Außerdem wird man mit den vernetzten Diensten über das Ende des Ladevorgangs informiert oder kann schauen, wie lange das Fahrzeug noch lädt. Nicht sicher, ob man sein Fahrzeug abgeschlossen hat ? Kein Problem, ein Blick auf die App verrät es und sollte man es tatsächlich vergessen haben, kann man per App fernschließen. Merkmale wie der Abruf des Kilometerstandes oder der Zustand der Bremsen sind eher nette Spielerei.

Auf Wunsch zur Abfahrzeit wohl temperiert

B250ED_VorklimatisierungDen Komfort einer Standheizung nutze ich schon viele Jahre, die elektrische B-Klasse geht aber noch einen Schritt weiter. Neben der Klimaanlage wird je nach Außentemperatur auch die Sitzheizung des Fahrersitzes aktiviert. Die ebenfalls aktivierten Heizungen der Front- und Heckscheibe sorgen dafür, dass man binnen kürzester Zeit eisfreie Scheiben hat. Aktiviert man die Vorklimatisierung, ist diese für 15 Minuten aktiv, das Ganze kostet B250ED_Frosty Plugdann 12 Kilometer Reichweite. Alternativ kann man eine Abfahrtzeit festlegen und sofern der Akku mindestens zu 30 % geladen ist, wird die Heizung so gestartet, dass es zur gewünschten Zeit mollig warm ist. Wie viele Elektroautos lässt sich die elektrische B-Klasse auch vorkühlen, was sich im Sommer als sehr angenehm erwiesen hat. Um Reichweite zu sparen, empfiehlt es sich, das Fahrzeug beim Vorheizen/kühlen am Strom hängen zu haben. Da der Fahrzeuginnenraum dann zu Fahrtbeginn die gewünschte Temperatur hat, wird auch für die folgende Fahrt weniger Energie für die Klimatisierung benötigt, was ebenfalls der Reichweite zu Gute kommt.

Fazit

IMG_0071Nach 6 Monaten, in welchen die B-Klasse sowohl bei milden als auch bei kalten Temperaturen gefahren werden konnte, überzeugt das Fahrzeug mit großer Alltagstauglichkeit und einem hohen Maß an Komfort. Einziges Manko ist der fehlende Schnelllader, denn auch wenn 3 Stunden Ladezeit für den Alltagsgebrauch absolut verschmerzbar sind, so würde der Elektrobenz mit einem 50kW-Schnelllader auch langstreckentauglich und Mercedes hätte mit diesem Fahrzeug die Nase vorne haben können. Aufgrund eines Modellwechsles der Baureihe W246/W242 ist der Elektrostern in Bezug auf Verarbeitung ein ausgereiftes Auslaufmodell und die Chancen stehen aktuell gut, beim Kauf ein Schnäppchen zu machen. Wer auf ein hochwertiges Interieur steht, in der Regel täglich nicht mehr als 100 Kilometer fahren muss, ein komfortabeles Auto mit einem für diese Klasse großzügigen Platzangebot sucht, für den lohnt es sich, über die elektrische Version der B-Klasse nachzudenken.

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