Die neue V-Klasse im Test

Bekommt Volkswagen kalte Füße oder wie ist es zu erklären, dass die Wolfsburger kurz nach der Veröffentlichung der neuen V-Klasse eine Werbekampagne für Ihren mittlerweile über 10 Jahre gebauten Multivan machen ? Der Multivan – Das Original seit 60 Jahren, so wirbt VW aktuell in der Fernsehwerbung. Dabei wird an Emotionen appeliert, der Multivan sei nicht nur ein Nutzfahrzeug, sondern ein Erlebnisfahrzeug, Bilder von Familien und dem klassischen Hippie-T1 sollen das unterstreichen. Der Multivan war bislang die Referenz in diesem Segment, hohe Wertigkeit, eine solide Verarbeitung und die Erfahrung aus 60 Jahren Transporterbau waren Argumente für den Volkswagen. Nicht wirklich fürs Volk sind die Preise des T5. Zwar ist auch der Viano preislich kein Volksfahrzeug, jedoch war dieser je nach Ausstattung bis zu 10000 € günstiger als das Fahrzeug aus Wolfsburg, welches dafür allerdings auch qualitativ besser verarbeitet gewesen ist – bislang… Das soll sich mit der neuen V-Klasse ändern, welche nun endlich den Anspruch an sich erhebt, ein richtiger Mercedes mit dem Ambiente einer S-Klasse zu sein.

Der Ersteindruck

Fahrer

Einsteigen und wohlfühlen – Die V-Klasse wirkt deutlich mehr nach Mercedes als der Vorgänger Viano

Kratzer

Schade Mercedes, das hätte man eleganter lösen können. Hartplastik bis zur Türmitte passt nicht zur Qualität des Fahrzeugs !

Beim ersten Einstieg fällt auf, die V-Klasse hat mit ihrem Vorgänger nicht mehr viel gemeinsam. Die Sitzposition vermittelt PKW-Feeling. Die Sitze sind deutlich besser gepolstert und bieten im Gegensatz zum Viano endlich Seitenführung. Die verwendeten Materialien erinnern eher an eine C- oder E-Klasse als an ein Nutzfahrzeug. Das Armaturenbrett besteht nicht mehr aus in Softlack getauchtem Hartkunststoff sondern ist aufgeschäumt und mit mattem Kunstleder überzogen. Die Lüftungsdüsen, Knöpfe und Bedienungselemente sind mit reichlich Alu-Applikationen versehen, wodurch das Fahrzeug einen wertigen Eindruck vermittelt. Einzig die Türverkleidungen enttäuschen gegenüber dem Vorgänger. Der Testwagen ist ein V250 CDI BlueTEC in der Ausstattungsvariante Avantgarde Edition und kostet ab Werk 63000 €. Da hätte ich an den Türen Lederapplikationen, wie beim Viano Ambiente erwartet und keinen bis zur Türmitte hochgezogenen Hartkunststoff. Schade, das trübt das Bild des sonst ordentlich verarbeiteten Interieuers. Zudem ist das Material anfällig. Der gerade mal 1000 Kilometer auf dem Tacho anzeigende Vorführwagen war an der Fahrertür bereits mit einigen Kratzspuren versehen. Der als Sonderausstattung erhältliche dunkele Dachhimmel (297,50 €) lässt den Innenraum sehr wohnlich wirken und die schwarzen Ledersitze unterstreichen den edlen Eindruck des neuen Schwaben-Vans, welcher wie sein Vorgänger in Spanien produziert wird. Leider trüben auf unebener Fahrbahn Klapper-, Knarz- und Rasselgeräusche am Armaturenbrett und im Fond den Fahrgenuß. Noch konnte ich den Ursprung der Geräusche nicht lokalisieren, vielleicht ist es ja nur ein nicht korrekt eingerasteter Sitz, vermutlich aber der im Heck befindliche Zwischenboden. Man sagt zwar, Klappern gehöre zum Handwerk, in einem Mercedes verbietet sich das allerdings ! Ich hoffe sehr, dass dies nur Probleme der ersten Serie sind.

So fährt der Neue

Die erste Ausfahrt in der neuen V-Klasse hatte ich mit einem V220 CDI. Verwöhnt vom Drehmoment meines Viano 3.0 CDI kam der 220er eher etwas müde daher. Zugegeben, wer wie ich überwiegend mit Tempomat und 100 bis 130 km/h unterwegs ist, den bringt der V220 CDI auch ans Ziel. Der 250er Motor, welchen ich bereits in einer E-Klasse gefahren bin, hatte mich dort nicht überzeugt. Der Motor war für meinen Geschmack zu laut und zu durstig, im E250 CDI T-Modell kam ich kaum unter 7 Liter und das bei moderater Fahrweise.

motor

2 Töpfe weniger aber ordentlich Schub – Der V 250 CDI

Ein Dreh am Zündschlüssel offenbart umgehend, hier arbeitet ein 4-Zylinder (Video zum Motorsoundvergleich folgt). Die Tatsache, das Mercedes den sensationellen V6 CDI aus dem Programm genommen hat, will so recht niemandem einleuchten, nicht einmal den Verkäufern bei Mercedes. Doch was bringt der V250 ? Holt er aus dem gleichen Hubraum in der Tat mehr Drehmoment als der kleinere 220er. Mit 440 NM hat er laut den technischen Daten 60 NM mehr Drehmoment als der „kleinere“ V220 und liegt somit auf Niveau des Viano 3.0 CDI der ebenfalls über 440 NM verfügt. Dank Overtorque-Technologie verspricht der V250 CDI sogar nochmal 40 NM oben drauf also insgesamt 480 NM. Eine Fahrt auf der Autobahn offenbart, dass Mercedes nicht zu viel versprochen hat. Im Agility-Control-Sport-Modus zieht der V250 gut weg, da ist kaum ein Unterschied zum V6, nur der etwas brummige Motor verrät, dass hier 2 Zylinder fehlen. Auf der kurzen Teststrecke schaffe ich es, den V 250 CDI auf 210 km/h zu beschleunigen, laut Werksangabe soll er sogar 5 km/h an Endgeschwindigkeit mehr bringen als der V6 im Viano. Auch im Stadtverkehr zieht der 4-Zylinder spurtfreudig davon. Zwar kommt es mir so vor, als hätte der V6 etwas mehr Druck, ein Blick in die Technischen Daten zeigt aber, dass zumindest auf der Teststrecke beide Motoren den Spurt auf 100 km/h in 9,1 Sekunden schaffen.

Agility Control

Entscheidet über die Fahrdynamik – Agility Control (serienmässig in den Editionsmodellen)

Insgesamt läuft der V250 CDI etwas ruhiger als der kleinere V220 CDI auch die Schubkraft ist deutlich besser. Man kann via Agility-Control zwischen 3 Modi wählen. Im Eco-Modus schaltet die V-Klasse zügig hoch, der Comfortmodus entspricht den „normalen“ Schaltpunkten und im Sportmodus werden die Gänge weiter ausgefahren. Wem das noch nicht reicht, der kann die Schaltvorgänge mit den Lenkradpaddels selbst beeinflussen. Diese vermitteln ein wenig Formel-1-Feeling – nette Idee aber eher eine Spielerei. Wählt man den ECO-Modus wird auch sämtlicher Fahrspaß abgeschaltet. Das Fahrzeug schaltet die Gänge früh hoch und erweckt den Eindruck mit angezogener Handbremse unterwegs zu sein. Dabei scheint der Verbrauch nicht signifikant in den Keller zu gehen.

Front

Dynamischer Auftritt – Die neue V-Klasse mit LED Intelligent Light System

Die Lenkung ist leichtgängig, vermittelt aber dennoch ein gutes Gefühl zur Fahrbahn, für solch ein großes Fahrzeug lässt sich die V-Klasse agil bewegen. Das Fahrwerk ist für meinen Geschmack komfortabel abgestimmt. Eine tolle Sache ist das neue LED Intelligent Light System. Das Licht wirkt gegenüber dem Xenonlicht des Viano noch eine Spur heller und die Ausleuchtung nachts noch besser. Dabei erkennt das Fahrzeug automatisch Gegenverkehr und blendet dann ab, ein Extra auf welches man trotz 1844,50 € nicht verzichten sollte.

Bedienung

Cockpit

Mercedestypisch angeordnet – Die Bedienelemente. Hier findet man sich auf Anhieb zurecht.

Tacho

Ungewohnt – Der Schalthebel rückt ans Lenkrad

Die Bedienungselemente stammen alle aus den gängigen Baureihen von Mercedes. Frei nach der Devise „kennst Du einen kennst Du alle“ hat sich Mercedes hier an die einheitliche Bedienbarkeit seiner Flotte gehalten. Die Bedienungselemente sind dort wo man sie erwartet ergonomisch angeordnet. Einzig an die neue Position des Wahlhebels muss man sich gewöhnen, dieser ist nämlich nun am Lenkrad positioniert. Als alter Vianofahrer greife ich noch oft ins Leere. Dort wo vorher der Schalthebel positioniert war, sitzt nun ein Touchpad, welches die zentrale Bedienung des Infotainmentsystems darstellt. Nach einer kurzen Eingewöhung findet man sich damit schnell zurecht, wer selbst ein Smartphone besitzt, dem ist diese Form der Steuerung nicht neu. Was ich als alter Apple-User noch vermisse ist Carplay, welches Mercedes eigentlich im Programm hat. Damit lässt sich über das Infotainmentsystem des Fahrzeugs die Benutzeroberfläche eines iOS-Gerätes steuern, in der V-Klasse scheint diese Funktion jedoch (noch) nicht verfügbar.

Touchpad

Dort wo vorher der Wahlhebel für die Automatik saß befindet sich nun ein Touchpad zur Bedienung des Infotainmentsystems

Etwas gewöhnungsbedürftig finde ich die Tatsache, dass sich die Klimaanlage nur über das Zentraldisplay abschalten lässt. Alle anderen Funktion wie Temperatur oder Gebläsestärke lassen sich noch einmal über herkömmliche Knöpfe bedienen, nicht so der Klimakompressor. Wer die Klimaanlage abschalten möchte und nur die Lüftung ohne aktive Kühlung wünscht, muss sich relativ umständlich durch das Menü navigieren. Das passt zur Philosophie von Mercedes, welche der Meinung zu sein scheinen, eine Klimaanlage bräuchte man nicht abzuschalten.

HeckklappeAm Aus- und Einbau der hinteren Sitze hat sich nichts großartig verändert, die fehlende Möglichkeit die Kopfstützen zu entfernen, macht den Ausbau jedoch schwerer als beim Vorgänger. Was mir weiterhin umständlich erscheint ist der Ausbau der doppelten Bodens im Kofferraum. Ordert man die V-Klasse mit elektrischer Heckklappe, erhält man automatisch auch die zweigeteilte Easy-Pack Heckklappe. Bei dieser lässt sich die Scheibe separat öffnen, das kennt man schon von BMW. Hinter der Heckscheibe befindet sich dann ein zweiter AblageBoden auf welchem Gegenstände abgelegt werden können. Eigentlich ganz praktisch, wenn man die V-Klasse allerdings richtig beladen möchte, stört der Boden eher. Dieser lässt sich zwar ausbauen, macht dabei aber eher einen unhandlichen Eindruck. Beschädigungen an Fahrzeuginnenverkleidungen oder dem doppelten Boden selbst scheinen vorprogrammiert.

Beifahrer

Drückt in die Waden – die Sitzverstellung des Beifahrersitzes.

Dabei hätte man das Problem z.B. mit einklappbaren Füßen relativ einfach lösen können.

Ein weiteres Manko, die Position des Hebels für die Sitzverstellung. Vor Allem kleinere Personen bekommen auf dem Beifahrersitz während der Fahrt den Verstellhebel in die Wade gedrückt. Das war beim Vorgängermodell besser gelöst

Verbrauch

Verbrauch Viano

Verbrauch des Viano 3.0 CDI bei defensiver Fahrweise und maximal Tempo 120 auf der Autobahn.

Verbrauch Überland

Ein wenig enttäuschend – Verbrauch des V250 CDI auf einer Überlandstrecke und Stadtanteil

Verbrauch Drittel

Verbrauch im Drittelmix (Stadt, Land, BAB mit Vmax 100 km/h) mit bergab Anteil.

Verbrauch gesamt

Schnittverbrauch auf 125 Kilometer, darunter Vollgas und Sparfahrt. Damit liegt der V250 CDI zwischen 0,5 und 1 Liter auf 100 Kilometer unter dem Viano 3.0 CDI.

Ein Argument für den Umstieg auf 4-Zylinder-Aggregate ist der geringere Verbrauch dieser Motoren. Ich selbst schaffe es, den Viano 3.0 V6 CDI mit unter 8 Litern (laut Bordcomputer) zu bewegen. Dabei fahre ich mit Tempo 100 bis 120 auf der Autobahn und bin eher defensiv unterwegs. Die Werksanagbe des Viano 3.0 CDI liegt bei 8,6 Litern im kombinierten Modus. Der V 250 CDI soll sich angeblich mit nur 6 Litern im kombinierten Modus begnügen, ein Wert, welcher wohl nur auf dem Papier existiert, denn trotz Fahrt im Eco-Modus mit abgeschalteter Klimaanlage komme ich beim ersten Versuch nicht annähernd in diese Richtung. 8,6 Liter zeigt der Bordcomputer nach 40 Kilometern Landstraßen und Stadtfahrt an, das übetrifft selbst den angegebenen Überlandwert von 6,6 Litern und liegt über dem Verbrauch, welchen ich mit dem „alten“ V6 erreiche. Zugegeben, der Motor ist noch nicht eingefahren aber selbst als mein V6 noch so jung war, erreichte ich bereits Werte von unter 8 Litern. Ist das tatsächlich der minimale Verbrauch des von der Presse so gelobten 250er Wundermotors ? Am Abend geht es noch einmal auf die Piste in Richtung Odenwald. 22 Kilometer liegen vor mir und dem V250 CDI, welche zum Teil über Landstraßen, über die Autobahn und durch die Stadt führen, der klassische Drittelmix also. Auf dem Hinweg verbrauche ich mit der V-Klasse 8,8 Liter und meine Enttäuschung über den Motor wächst. Allerdings geht es auf der Strecke  bergauf und mit meinen Viano komme ich dort auch nur selten unter 10 Liter, so gesehen meistert der V250 diesen Abschnitt nicht schlecht. Nachts geht es dann zurück. Mit dem Viano verbrauche ich auf dieser Strecke immer zwischen 7,5 und 8 Litern bei moderater, defensiver Fahrweise mit Tempo 100 auf der Autobahn. Hier sollte sich nun zeigen, wie weit man den Verbrauch des V250 CDI drücken kann. Nach 22 Kilometern im Comfortmodus stehen 6,5 Liter auf dem Verbrauchsrechner. Zwar liegt der Wert über der Werksangabe von 6 Litern ist aber dennoch für so ein großes Auto ein beachtlicher Wert, den ich so mit dem V6 CDI noch nicht erreicht habe ! Auf längeren Strecken punktet der 4-Zylinder also, im Kurzstreckenbetrieb benötige ich bei defensiver Fahrweise mit dem V6 CDI laut Bordcomputer bis zu 1 Liter weniger Kraftstoff. Das kann allerdings auch damit zusammenhängen, dass mein V6 mittlerweile über 40000 Kilometer gelaufen ist, wohingegen der V 250 CDI erst 1000 Kilometer auf der Uhr hatte. Erfahrungsgemäß sinkt der Durchschnittsverbrauch bei 10 bis 15000 Kilometern nochmals. Möglicherweise rechnet der Bordcomputer im Viano aber auch nicht so genau wie der in der V-Klasse, was sich dann auf längeren Strecken relativiert. Letztendlich aussagekräftig wäre ein Test über mehrere 100 Kilometer mit selbst ermittelten Verbrauchswerten.

Design

Ambiente Bernstein

Die Farbe der Ambientebeleuchtung lässt sich einstellen…

Ambiente Blau

…leider bleiben die Tür- und Haltegriffe immer bernsteinfarben.

Über Geschmack lässt sich ja bekanntermaßen nicht streiten, was der eine toll findet, muss dem Anderen nicht gefallen. Mich persönlich spricht die neue V-Klasse an. Die schwungvolle Linienführung lässt das Fahrzeug moderner und eleganter wirken. Vor Allem kleine Details, wie die Chromleisten an den Fenstern verleihen einen Hauch von Luxus. Leider verhindern diese Chromleisten, dass die hinteren Fenster ausgeklappt werden können, die Ausstellfenster sind in der Ausstattungsvariante Ambiente also nicht verfügbar. Ein witziges Detail ist die V-Klasse im Zentraldisplay des Cockpits, welche den Fahrer nach dem Einstieg mit einer Lichthupe willkommen heißt. Nach Aktivierung der Zündung schlagen beide Zeiger des Kombiinstrumentes einmal aus, das soll wohl den sportlichen Charakter unterstreichen. Viel Chrom im Innenraum führt die sportlich elegante Designnote fort und das Ambientelicht im Innenraum wirkt wirklich gemütlich und nobel. Allerdings ist für mich nicht nachvollziehbar, weshalb sich zwar die Farbe für die Ambientebeleuchtung des Armaturenbrettes und des Fonds einstellen lässt, die Beleuchtung der Türgriffe aber immer bersteinfarben bleibt. Wenn schon die Option der individuellen Farbanpassung ermöglicht wird, sollte diese die vollständige Ambientebeleuchtung betreffen.

Satter Sound

BurmesterWas dem Motor fehlt holt die Burmester Sourround-Anlage wieder heraus. Ich mache mir sonst nicht viel aus dem Klang der Lautsprecher im Fahrzeug aber diese Anlage macht ordentlich Druck. Insgesamt 15 Lautsprecher und eine Bassrefelexbox sorgen für kraftvolle 640 Watt Systemleistung. Das Klangerlebnis ist für einen Aufpreis von 922,25 erhältlich.

Preis

Viano Trend Edition

Weisgott kein Schnäppchen – Die neue V-Klasse…

T5 Comfortline

…doch „Volks“wagen packt noch eine ordentliche Schippe drauf. Bei vergleichbarer Ausstattung ist der T5 10000 € teurer als die V-Klasse.

Wie man es von Mercedes gewohnt ist, ist die V-Klasse alles andere als ein Schnäppchen. In der günstigsten Variante werden für den V 200 CDI 42899 € fällig. Dafür erhält man einen 136 PS Diesel mit 6-Gang-Schaltgetriebe ohne nennenswerte Ausstattung. Das beste Angebot sind die Editionsmodelle, hier gibt es reichlich sinnvolle Ausstatung und einen Preisvorteil von 25% gegenüber der regulären Konfiguration. Leider sind die Editionsmodelle von der Individualisierung her eingeschränkt, so ist für den Viano Edition z.B. keine 360° Kamera verfügbar. Dieser liegt als V250 CDI preislich bei 47552,40 € und bietet mit serienmäßiger Automatik, Metalliclackierung, Colorverglasung, Sitzheizung, Parkassistent, Spur-Assistent u.v.m eine üppige Ausstattung. Wer auf Ledersitze, 360° Kamera und Ambientebeleuchtung verzichten kann, erhält hier ein vernünftig ausgestattetes Fahrzeug. Für 12000 € mehr (59559,50 €) gibt es den V250 CDI Avantgarde Edition der kaum Wünsche offen lässt. Elektrische Schiebetüren links und rechts, elektrische Easy-Pack-Heckklappe, sämtliche Fahrassistenzpakete, Command online, Lederausstattung u.v.m. kommen hier noch oben drauf. Die 220er sind jeweils ca. 2000 € günstiger. Wer jetzt denkt, das sei teuer, der sollte sich einmal bei VW umschauen. Zum Vergleich habe ich einmal einen VW T5 2.0 TDI (lange Variante) mit 132 kW und Blue Motion Technologie (vergleichbar mit Mercedes BlueTec) identisch konfiguriert. D.h. nahezu identisch, denn die ganzen Fahrassistenzsysteme gibt es für den T5 ebenso wenig, wie die elektrische Heckklappe. Dafür ist man im Gegensatz zur V-Klasse gezwungen, beim Volkswagen das große Navigationssystem für 2750 € zu ordern, sofern man eine Rückfahrkamera wünscht, welche dann nicht einmal 360°-Sicht bietet. Bei nahezu gleicher Ausstattung ist der „Volks“wagen selbstbewusste 10000 € teurer, dafür bekommt man bei Mercedes schon fast das deutlich besser ausgestattete Avantgarde Edition Modell. Als Optionen wurden eine Rücksitzbank (Serie beim T5), Standheizung mit Funkfernbedienung, Schiebetür links (manuell), ein Tisch und eine abnehmbare Anhängerkupplung gewählt. Ferner wurde der T5 Comfortline mit all den Extras bestückt, die bei der V-Klasse Edition zum Serienumfang zählen, wie die Parktronic mit Rückfahrkamera, das Automatikgetriebe, das Multifunktionslenkrad, das Farbdisplay für den Bordcomputer, die Dachreeling, usw. . Doch bereits in der Grundausstattung liegen fast 3800 € zwischen dem V 250 CDI Edition (49182,70 €) und dem T5 2.0 TDI Blue Motion mit 132 kW (52978,80 €) und Direktschaltgetriebe (DSG). Es muss wohl also die Liebe zum Wolfsburger sein, welche so viele Fans begeistert, denn warum sollte ein rationell denkender Mensch freiwillig 10000 € mehr in die Hand nehmen ?

Fazit

Heck Ist die neue V-Klasse wirklich der große Wurf ? Größtenteils ja und tatsächlich wirkt die V-Klasse so, als könne sie dem Multivan in Bezug auf Verarbeitung und Design die Stirn bieten. Deutlich wertigere Materialien im Innenraum vermitteln endlich Mercedes-Feeling ohne großartige Transporterallüren. Mit cleveren Ideen wie dem geteilten Laderaum mit 2 Ebenen und der geteilten Heckklappe zeigt Mercedes Innovation. Das Fahrzeug kann mit bis zu 11 Assistenz- und Sicherheitssystemen ausgestattet werden und hinkt damit entwicklungstechnisch den PKW’s nicht mehr 10 Jahre hinterher. In der neuen V-Klasse zeigt Mercedes, was sie seit über 125 Jahren so erfolgreich macht – Das Auto eben noch eine Spur sicherer und komfortabeler zu machen. SeiteSchade, dass Mercedes den V6 CDI aus dem Programm genommen hat, zwar wirkt der V250 CDI alles andere als untermotorisiert, der seidenweiche Lauf eines V6 würde aber besser zum Fahrzeug passen. Die Verbrauchswerte der Werksangaben des 4-Zylinders werden nicht eingehalten und um beim Verbrauch vor dem Komma die 6 stehen zu haben, muss man sich schon anstrengen. Der V250 CDI benötigt zwar etwas weniger Kraftstoff als der V6 CDI der Verbrauchsvorteil ist dabei aber nicht so eklatant wie angegeben. Mercedes sollte noch daran arbeiten, dass die im Katalog angegebenen Werte auch tatsächlich erreicht werden. Ein kleiner Elektromotor könnte da helfen, vielleicht als Plug-In Hybrid ? Platz für ein paar Akkus dürfte sich finden lassen. Wenn jetzt auch noch letzte Hartplastikverkleidungen weichen und der V-Klasse ein sparsamer 6-Zylinder-Motor oder ein Hybrid spendiert wird, ist sie der perfekte Van aber man muss sich offensichtlich noch Optionen für die erste Modellpflege lassen. Tja…und wer die neue V-Klasse bereits erfahren hat und einmal in die Preisliste geblickt hat, der weiß, weshalb VW das alte Original so offensiv bewirbt, denn nüchtern betrachtet ist der Mercedes die bessere und günstigere Wahl.

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19 Responses to Die neue V-Klasse im Test

  1. Ralf Ley sagt:

    Authentischer Bericht! Klasse geschrieben! Steht einem Test in einer Auto-Zeitschrift in nichts nach! Glückwunsch!

  2. Mercedes Freund 88 sagt:

    Toller Bericht !
    Ehrliche Berichterstattung nicht wie die gekauften aus den autozeitschriften.
    Fahre im Moment noch den V6 Viano und werde nächstes Jahr auch den V250 holen.
    Danke für ihren Test.

  3. Spitzbub sagt:

    Ich habe seit Anfang Juli einen V250 bluetec, mir dem Kauf hätte ich warten sollen,
    das Fahrzeug hat in Heck Klappergeräusche der Verbrauch ist höher als angegeben,
    unter 8,5 l komme ich nicht mein km Stand ist 9000 .

    • admin sagt:

      Die Klappergeräusche hatte der Vorführer auch, hat das Fahrzeug den doppelten Boden im Heck ? Ich nehme an, das kommt von der Halterung dieses Bodens, würde so lange bei Mercedes Terror machen, bis das beseitigt ist und im Zweifel mot Wandlung drohen.
      Verbauch laut Bordcomputer oder tatsächlicher Verbrauch ? Der Verbrauch sinkt meist ab 15000 Kilometer noch einmal. Im direkten Vergleich kam es mir aber auch so vor, als könnte ich den V6 CDI sparsamer bewegen.

  4. Lutz Ewest sagt:

    Hallo … hoffentlich liest diesen an Kompetenz und Objektivität so trefflich formulierten Bericht auch mal ein Vorstand von Mercedes und denkt drüber nach . Ich fahre bereits den zweiten V6 und tue mich sehr schwer den eigentlich gedachten Wunschwechsel auf die V Klasse zu vollziehen . Das aus genau den benannten Gründen . Hinzu zu fügen wäre meinerseits nur die grosse Frage : Warum bekommt man die V Klasse ohne Schiebe / und / oder Panoramadach ?? Jede noch so kleine Reisschüssel wirbt mit Panorama Rundumsicht und das Urlaubsauto schlechthin strahlt mit einer geschlossenen Dachfläche auf der ein Hubschrauber landen kann …

    • admin sagt:

      Vielen Dank für Ihr Feedback, es freut mich, dass Ihnen mein Artikel gefallen hat. Mir geht es ähnlich, in den nächsten Wochen würde die Bestellung für den Nachfolger meines 4 Jahre alten Viano V6 CDI anstehen. Die Laufkultur des V6ers lässt mich immer wieder zweifeln, ob ich den Schritt wagen soll. Gäbe es einen V6 in der V Klasse, ich würde keinen Moment zögern.

  5. stefan sagt:

    Ich hatte die V Klasse heute testweise den ganzen Tag gefahren. Die Klappergeräusche hatte ich auch (hinten rechts). Vermutlich werden sie von der rechten Schiebetür verursacht. Schade! Ein wichtiger Grund für mich, den Wagen (noch) nicht zu bestellen. Ich hoffe, dass diese Probleme bald behoben sind. Ansonsten ein sehr gutes Auto! Hervorzuheben ist auch das günstige Navi (ca. 570 EUR), welches sehr gute Arbeit leistet und absolut ausreichend ist.

    • admin sagt:

      Klappernde Schiebetüren haben mich auch anfangs in meinem Viano Nerven gekostet. Letztendlich ist es meiner Werkstatt geglückt, diese nachhaltig zu beseitigen.

  6. Fehlt nur noch ein V6 oder ein Elektromotor als Zusatz zum 4 Zylinder, ansonsten ein tolles Auto.

  7. Warte noch bis Mercedes ein V6 oder Plug in Hybrid für die V Klasse bringt..

    • admin sagt:

      Allmählich zieht die Hybridtechnologie in die Baureihen von Mercedes ein. Nach der S-Klasse soll künftig auch die C-Klasse mit Plug-in-Hybrid-Motorisierung angeboten werden. Auch wenn viele Elektromobilisten zu dieser Technologie die Nase rümpfen, derzeit sehe ich diese als vernünftige Alternative zum reinen Verbrenner – ein Elektromotor fürs tägliche Pendeln, kombiniert mit einem Verbrenner für längere Distanzen.
      Leider ist diese Technologie noch recht teuer und so dürfte ein V250 CDI Hybrid Edition schätzungsweise 8000 – 10000 € über dem Verbrenner liegen. Ganz abgesehen davon fürchte ich, dass die V-Klasse zu den letzten Baureihen gehören wird, bei denen diese Technologie einzug hält – leider…

  8. Sven Lader sagt:

    Das mit der billigen Plastikverkleidung hat mich auch immer gestört. Wenn die nicht so schnell verkratzen würde, könnte man ja denken, dass die es eingebaut haben, weil es so robust ist.. scheint aber nicht der Fall zu sein.

  9. MarkJD sagt:

    Hi…ich fahre seit Jahren Vito/Viano mit unterschiedlichen Motoren.Da ich beruflich und auch privat fahre, war für mich ein optisch ansprechender Innenraum schon lange überfällig und ich bin vom „Neuen“begeistert. Jedoch kann ich mich nach V6 an diesen Motor nicht gewöhnen, der auch nicht weniger verbraucht. Der Wagen ist agiler aber auf der Autobahn auch hibbeliger. Aber am meisten nerven mich die ständigen akustischen und visuellen Belehrungen. Piepen hier ,rote Lampe da…..das macht mich voll irre!
    Blinker zu früh gesetzt, piep piep……in die Ausfahrt gefahren, brrrt brrrt am Lenkrad ,
    rote Lampe vorn….oh schon wieder zu dicht ……beim Rückwärtsfahren kann ich mich von oben sehen…..oh wie toll ,ich brauche das nicht !
    letztendlich werde ich den alten behalten,das ist ein entspannter,kostet nicht mehr Sprit und ich bezahle nicht für 4 Zylinder der Preis von 6

    • admin sagt:

      Ich stehe kurz davor, den V250 CDI zu bestellen. In der Tat ist der fehlende V6 das einzige Argument, welches gegen die neue V-Klasse spricht. Was den Verbrauch anbelangt, so kann man ein Neufahrzeug nicht mit einem „eingefahrenen“ Motor vergleichen. Erst nach 10 bis 15000 Kilometern zeigt sich das wahre Gesicht des Motors und hier habe ich den 2,2 Liter-Motor in einem W203 als genügsamen und unempfindlichen Motor kennengelernt. Hinzu kommt, dass man sich auch als Fahrer auf ein neues Fahrzeug einstellen muss.
      Problematisch wird der V6 wenn er anfängt zu kränkeln. Aufgrund der schlechten Zugänglichkeit des Motors, wird es da gerne schnell teuer. Ein defektes Abgasrückführventil z.B. fordert sogleich einen 4-Stelligen Betrag, ferner liegen die Wartungskosten höher ebenso die KFZ-Steuer. Das Ganze entschädigt natürlich durch den seidenweichen Lauf des Motors, wobei dies bei konstanter Geschwindigkeit kaum auffällt.
      Letzte Woche bin ich den 250er noch einmal gefahren. Das deutlich aufgewertete Interieur und vor Allem die neuen Sicherheitspakete bieten ein großes Plus. Sicher nervt einen manches Gepiepe und Geblinke, daher würde ich mir z.B. das Command-Online sparen, weil mich die Einblendung der zulässigen Geschwindigkeit nervt. Der Spurhalteassistent (brr brr) und das Piepen des Totwinkelsensors halte ich hingegen für sinnvoll. Die 360°-Kamera erleichtert das rengieren in unübersichtlichem Parkraum, da man auch Objekte im toten Winkel des Fahrers erkennt und der Abstandsregeltempomat sorgt vor Allem auf langen Strecken für Entspannung. Manches Piepen und Blinken lässt sich möglicherweise auch abschalten, bleibt nur die Laufkultur des V6ers, welche selbstverständlich fehlt. Mal schauen, ob ich mich heute überwinden kann, den Gang zum Händler zwecks Bestellung eines V250 CDI Edition zu wagen.

  10. Marco sagt:

    Danke für die tolle Berichterstattung und Objektivität. Und? Haben Sie den 250er bestellt?

  11. Ruedi Gahler sagt:

    Habe den V250 sei knapp einem Jahr. Bin nach 11000 Km immer noch sehr überzeugt. Würde ihn wieder kaufen. Die paar Kinderkrankheiten wurden erfolgreich behoben.

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