Ich lerne Zoe kennen

Zwei Tage nach dem ersten Probesitzen in ZOE, steht mir das Fahrzeug in der Ausstattungsvariante Intens in schwarz mit den 17″ Felgen für einen Vormittag zur Probefahrt zur Verfügung. Im Anschluss an meine Nachtschicht, treffe ich um 8 Uhr beim Renault Autohaus Kara in Darmstadt ein. Nach dem üblichen Papierkram, geht die nette Empfangsdame mit mir ans Fahrzeug und erklärt mir, wie ich ZOE in Gang bringe. Dank Keyless Entry System gibt es nicht viel zu beachten, Startknopf drücken, Handbremse lösen und schon setzt sich ZOE mit mystichen Klängen in Bewegung. ZOE ist mit einem Soundmodul mit namen „The Voice“ ausgestattet. Futuristisch klingende Töne, welche sich anhören, als würde ein UFO zur Landung gehen, begleiten das Fahren bis zu einer Geschwindigkeit von 30 km/h, um Fußgängern mitzuteilen: „Hier rollt ein Fahrzeug vorbei !“

Zoe InnenansichtEs ist regnerisch an diesem Mittwochmorgen und zunächst kommt es mir so vor, als sei die Windschutzscheibe des ZOE beschlagen, bis ich feststelle dass dieser „Dunst“ den Reflexionen des hellen Armaturenbrettes geschuldet ist. Die Restweitenanzeige des Akkus zeigt 130km an, als ich das Fahrzeug übernehme, ich fahre auf der Landstraße Richtung Groß-Gerau und stelle fest, ich finde mich auf Anhieb zurecht. R-Link ist einfach zu bedienen und liefert zahlreiche Informationen zur Fahrweise, Rekuperation usw. . Während der Fahrt koppele ich noch schnell mein iPhone per Bluetooth, um in der Lage zu sein die serienmäßige Freisprecheinrichtung zu nutzen, alles völlig problemlos. Intuitiv die Bedinung aller Elemente, so wie ich es eigentlich nur von Mercedes kenne. Sollten dies erste Spuren der Kooperation beider Unternehmen sein ?

Zoe FrontansichtDer Weg zu mir nach Hause führt vorbei am Haus meines besten Freundes und Geschäftspartners, welcher offensichtlich frei hat, denn sein 15 Jahre alter Clio parkt im Hof. Da ich weiß, dass Ihn ZOE ebenfalls interessiert, entschließe ich mich zu halten und zu klingeln. Gemeinsam bewundern wir das Fahrzeug und fahren einmal um die 4 Ecken, Heiko ist begeistert – ZOE gefällt uns beiden auf Anhieb sowohl von außen als auch von innen. Es geht 150 m weiter nach Hause, wo sich ZOE den kritischen Blicken meiner Frau stellen muss. Frauen sind was neue Autos anbelangt immer etwas emotionsloser als wir Männer. So ein Fahrzeug muss sie nur von A nach B bringen, besondere Ansprüche hat meine Frau nicht, handlich und übersichtlich muss es sein, ein Kofferraum für die Einkäufe muss vorhanden sein und die Kinder müssen gut ein- und aussteigen können. Meine Frau gehört zu der Kategorie Autofahrerinnen, die sich auch mit einem uralten Opel Corsa zufrieden geben. Überhaupt wird jedes Auto an Ihrem alten Corsa bemessen, denn dieses Auto hat sie geliebt. Bislang konnte da kein Fahrzeug mithalten.

Ich parke ZOE also im Hof und gehe ins Haus. Ich erzähle meiner Frau, dass ich das Elektroauto im Hof habe, das Interesse hält sich allerdings sehr in Grenzen. Auf mein Drängen hin, denn das Auto muss bis 12:30 Uhr wieder bei Renault sein, machen wir eine Probefahrt. Meine Frau soll das Auto fahren. Große Einstellarbeiten sind nicht nötig, eine Sitzhöhenverstellung hat ZOE nicht, einfach den Sitz nach vorn, den Startknopf drücken und los fahren. Nun höre ich dieses mystisch anmutende Wummern einmal von außen und denke mir „Ja, das klingt nach Zukunft !“ Meine Frau bewegt ZOE durch Groß-Gerau. Auf dem Beifahrersitz bekommt man ein noch viel beeindruckenderen Eindruck vom Fahrverhalten des Franzosen. Das Fahrzeug liegt straff auf der Straße, wieselt fast wie ein Go-Kart um die Ecken und ich entdecke ein völlig neues Beschleunigungsgefühl. Zwar sind meine Sterne nicht gerade müde im Antritt, jedoch ist es schon beeindruckend das volle Drehmoment ab der ersten Radumdrehung zu spüren. Es geht zurück nach Hause und meine Frau findet spontan gefallen an dem kleinen Elektroflitzer, sie mag eben kleine Autos…

Der Motor des ZoeIm Anschluss geht es über die Autobahn in das 20 km entfernte Pfungstadt zu meinen Eltern, zunächst brav mit dem Tempopiloten auf 100. Sehr sinnvoll vom Renault, den Z.E.-Fahrzeugen serienmäßig den Tempopiloten zu spendieren. Vor Allem der Limiter macht Sinn, denn ein Gefühl für die Geschwindigkeit muss man bei dieser lautlosen Fahrweise erst einmal bekommen. In Pfungstadt angekommen lade ich meine Eltern zu einer Probefahrt ein, welche Ladesteckerebenfalls von der lautlosen Fahrt begeistert sind, einzig der „hohe“ Einstiegspreis und die Batteriemiete sind für meine Eltern Argumente, mir das Elektroauto ausreden zu wollen. Außerdem seien die gar nicht so sauber, da ja bei der Energiegewinnung ebenfalls CO2 entsteht. Also wieder zurück nach Groß-Gerau, dieses Mal will ich sehen, was ZOE so kann, also vollgas. Mit 145 rausche ich über die A67 und bin dabei kein Verkehrshinderniss. Ein schüchterner Blick auf R-Link zeigt mir allerdings an, dass ich gerade einiges an Energie verbrate, pro Kilometer verliere ich etwa 3 Kilometer auf die Restreichweite, also ab dem Darmstädter Kreuz wieder Tempo 100 und in Groß-Gerau den Eco-Modus an, um wieder ein wenig von der verschwendeten Energie zurück zu holen. Der ECO-Modus reicht mir im Stadtverkehr im Übrigen völlig aus, das Fahrzeug beschleunigt dennoch ausreichend gut.

Zoe HeckNach dem Mittagessen muss ich ZOE zurück nach Darmstadt bringen, ich nehme meine jüngste Tochter mit, welche problemlos in das Fahrzeug einsteigen kann und wir fahren gemeinsam fast lautlos nach Darmstadt. Dort gebe ich ZOE schweren Herzens zurück. Die Restreichweite liegt trotz nicht völlig zurückhaltender Fahrweise bei 40km, ich habe also etwa 10 km mehr Strom verbraucht, als anfangs durch den Bordcomputer berechnet. „Den würde ich am Liebsten behalten“ sage ich dem Verhäufer welcher grinsend die Hand auf hält und mir entgegnet „25000 € bitte“. Ich bemerke dass ich lieber ein Fahrzeug mit schwarzem Armaturenbrett hätte, denn das ist so ziemlich das Einzige, was mich an dem Auto wirklich stört. Der Verkäufer desillusioniert mich, als er mir entgegnet, dass es nur diese eine Farbe für das Armaturenbrett gibt, man könne das Armaturenbrett aber lackieren lassen, damit die Spiegelungen wegfallen. Genau, ich kaufe mir ein neues Auto, um es erst einmal innen umlackieren zu lassen… Sorry, da sollte Renault noch nachbessern. Ansonsten bin ich von dem Auto überzeugt und es beginnt eine Zeit der Entscheidungsfindung.

Dieser Beitrag wurde unter Der Weg, Fahrzeugtests veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.