Mein erster Langstreckentest

100% Elektrisch ging es 150 Kilometer von Groß-Gerau nach Pforzheim

100% Elektrisch ging es 150 Kilometer von Groß-Gerau nach Pforzheim

Ziemlich genau zwei Jahre fahre ich nun den Renault Zoe. Die Tatsache, dass ich dabei schon fast 30000 Kilometer zurückgelegt habe, spricht für die Alltagstauglichkeit des Fahrzeuges. Diese Laufleistung wurde jedoch überwiegend durch Alltagsfahrten im Umkreis von maxiamal 60 Kilometern zurückgelegt, das Wagnis längere Strecken zu fahren, bin ich bislang noch nicht eingegangen. Langstrecken sind in der Tat noch eine Herausforderung für Elektromobilisten, nicht etwa weil man mehr Zeit aufgrund der Ladung einkalkulieren muss, vielmehr liegt die Schwierigkeit darin, überhaupt laden zu können. In der heimischen Region kennt man die öffentlichen Ladesäulen und verfügt i.d.R. über die passenden RFID Karten zum entsperren, in fremden Regionen benötigt man jedoch erst die passenden Karten für den jeweiligen Ladeverbund, um die Ladesäule für den Ladevorgang freizuschalten. So scheiterte mein Vorhaben im November 2014 am Besitz einer solchen RFID Karte für den Verbund der EnBW. Mittlerweile bin ich im Besitz einer solchen Karte, für die Ladesäulen der EnBW gibt es die „Elektronauten“-Karte in einer Prepaidvariante, diese macht Sinn, wenn man nicht täglich sondern eher gelegentlich an den Ladesäulen der EnBW laden möchte.

150 Kilometer mit 4 Erwachsenen – Die Herausforderung

Beeindruckende Anlage - Bis zu 450 kW/h produziert der Lohwiesenhof ökologisch.

Beeindruckende Anlage – Bis zu 450 kW/h produziert der Lohwiesenhof ökologisch.

Unser Geschäft hatte auch in diesem Jahr wieder die Aufgabe beim Crosslauf in Pforzheim den DJ für den Start-/Zielbereich zu stellen. Der Pforzeheimer Crosslauf findet auf dem Lohwiesenhof statt, ein Bauernhof, bei welchem Nachhaltigkeit groß geschrieben wird. Mit seiner Photovoltaikanlage produziert der Lohwiesenhof 360 kW/h und per Biogasanlage kommen nochmals 190 kW/h hinzu. Damit ist der Lohwiesenhof in der Lage den Strombedarf von 700 Haushalten zu

190 kW/h werden durch eine Biogasanlage erzeugt

190 kW/h werden durch eine Biogasanlage erzeugt

decken, dass nenne ich einmal vorbildliche Landwirtschaft ! Es lag also nahe diesen nachhaltig organisierten Hof auch mit dem Elektroauto anzufahren. Genügend ökologisch gewonnenen Energie für die Heimreise, wurde uns vom Inhaber des Hofes netterweise zugesagt. Da meine Streckenrekorde von bis zu 190 Kilometern Reichweite bislang nur im Kurz- 6 Mittelstreckenbetrieb erzielt wurden fehlten mir bislang wirkliche Langstreckenerfahrungen. Im Gegensatz zum thermischen Antrieb verbrauchen Elektrofahrzeuge bei Autobahnfahrten im Verhältnis zum Landstraßen und Stadtverkehr mehr Energie, da die Energierückgewinnung nahezu ausbleibt. Das Ganze war also auch für mich als alter Hase in Sachen Elektromobilität eine neue Erfahrung und so flammte in mir auch wieder die Reichweitenangst auf.

Hoffentlich geht mir nicht der Strom aus

Beflügelt wurde diese „Angst“ durch die Tatsache, dass ich noch zwei Moderatoren und meinen DJ-Kollegen im Gepäck hatte, Zoe sollte also vollbeladen den Weg nach Pforzheim antreten, das Mehrgewicht war auch deutlich zu spüren und so war ich mir auch sicher, dass sich dies negativ auf die Reichweite auswirken würde. Zwar sind die Temperaturen für November erstaulich mild, dennoch ist es kälter als im Sommer und somit sollte eine Reichweite von 190 Kilometern utopisch sein. Zu guter Letzt befindet auf dem Weg nach Pforzheim eine nicht gerade unerhebliche Steigung, vom hessichen Ried nach Pforzheim galt es 400 Höhenmeter zu bewältigen – wohlgemerkt mit 4 gestandenen Männern an Bord. Man möchte sich ja auch mit so einem Elektrofahrzeug nicht vor seinen Kollegen blamieren, also wollte ich auf Nummer sicher gehen, damit ich nicht ohne Strom liegen bleibe.

Gut geplant ist halb gewonnen

Übder den Routenplaner von Goingelectric habe ich mich im Vorfeld informiert, wo es entlang der Strecke Ladesäulen mit 22 kW gibt, um zumindest kurz ein paar kWh zwischenzuladen. Als Treffpunkt hatten wir Zwingenberg vereinbart, denn dort gibt es nahe der Autobahn eine Schnellladesäule mit 43 kW. Der Plan sah also vor, daheim mit vollständig aufgeladenem Fahrzeug zu starten, in Zwingenberg erneut vollzuladen und dann bis Pforzheim durchzufahren, wo es ebenfalls direkt an der Abfahrt eine 22 kW Ladesäule des RWE-Verbundes beim ADAC gibt. Sicherheitshalber notierte ich mir noch die Adresse der Ladesäule in Karlsruhe-Durlach, sollte sich vor dem Buckel Richtung Pforzheim abzeichen, dass des Strom knapp wird, könnte ich auch dort zwischenladen. Planung ist das Eine, Praxis das Andere. Ich startete also mit vollem Akku und vorgeiztem Auto um 7 Uhr in Groß-Gerau. Nach einem kurzen Besuch beim Bächer erreichte ich die Ladesäule in Zwingenberg um 7:38 Uhr mit zu 72 % gefülltem Akku. Der erste Fehler in meiner Kalkulation war, dass Zoe nur bis 80 % SOC (State of Charge) mit 43 kW lädt, danach wird die Ladegeschwindigkeit gedrosselt, um den Zellen nicht zu schaden. So lud ich ab 80% nur noch mit 22kW, dank der niedrigen Temperaturen dauerte es ca. 1 Minute für 1%, die Zeit bis zur vereinarten Abfahrt um 8 Uhr reichte also nicht, um vollständig aufzuladen. Als Elektromobilist weiß ich zudem, dass ohne das Balancing die Ladung nur einen Schätzwert darstellt und sich vermutlich weniger Strom im Akku befand, als vom Fahrzeug angezeigt. Das Abenteuer startete also mit 95% SOC in Zwingenberg – nächster Halt also Durlach und nicht Pforzheim.

Mit gezügeltem Gasfuß über die Autobahn

Das Navigationssystem, welchem ich die Adresse der Ladesäule in Karlsruhe Durlach mitteilte, teilte mir mit, dass ich das Ziel mit der aktuellen Ladung nicht erreichen würde. Diese Mitteilung ignorierte ich geflissentlich, das dieses Tom Tom Navi überhaupt keinen Schimmer hat. Keine Ahnungm was die Programmierer dieses Gerätes sich gedacht haben, klar wer mit 140 über die Autobahn fährt, der erreicht das Zie sicher nicht, wer aber elektrisch unterwegs istm gewöhnt sich den Expressbetrieb zu Gunsten der Reichweite ab. „Wir fahren also mit 92 km/h bis Pforzheim ?“ tönte es zynisch von der Rücksitzbank auf welche sich einer der beiden Moderatoren eigefädelt hatte. Am Rande sei bemerkt, für große Menschen ist die zweite Reihe im Zoe nicht gerade die bequemste Wahl…
Kurz vor Durlach musste ich feststellen, dass die Abfahrt Durlach in Richtung Süden gesperrt ist, folglich musste ich eine Abfahrt früher von der Autobahn runter – gut, dass ich mir das vorher auf der Karte angeschaut hatte, dachte ich mir, außerdem sollte mir das Navi dennoch den Weg zum Ziel zeigen. Ich verfluchte die Programmierer von Tom Tom als ich mich wieder auf der A5 befand, dieses mal in Richtung Norden – also die ganze Strecke noch einmal und das bei nur noch 30 Kilometern Restreichweite. Der daraus enstandene Zeitverlust tat meinem Nervenkostüm sein Übriges an, denn eigentlich sollte ich um 10 Uhr in Pforzheim sein. Nun hoffte ich nur noch, dass die Ladesäule frei ist.

Die rettende Ladesäule ist endlich erreicht

Um 9:21 Uhr hatte ich die Ladesäule erreicht, ich hatte von einzelnen Fehlfunktionen mit Zoes an dieser Ladesäule gelesen, außerdem hatte ich die Elektronautenkarte noch nie zuvor getestet – ich hoffte, alles würde glatt gehen und hatte Glück. Kabel ans Auto, Karte an die Ladesäule, Ladesäle wurde freigegeben, Ladekabel in die Säule und Zoe fing an zu laden. Ich beschloß, das 15 Minuten reichen müssen und in der Tat zeigte die Restreichweite nach dem Zwischenstopp 50 Kilometer an. Da wir nur noch 35 Kilometer vor uns hatten, sollte das reichen…trotz Buckel. Um wieder auf die Autobahn zu kommen, musste ich zunächst auf die A5 Richtung Norden, denn die Abfahrt Richtung Süden war ja gesperrt, immerhin, den Weg kannte ich ja schon…

Luft anhalten und über den Berg

Das Ziel ist erreicht

Das Ziel ist erreicht

Hinter Karlsruhe ging es dann über den Berg, der Momentanverbrauch stieg kurzzeitig auf fast 40kW, ich blieb jedoch entspannt, da es dann auch wieder bergab gehen sollte und somit auch wieder Energie rückgewonnen werden konnte – hier sollten die 4 Erwachsenen mit ihrem Gewicht dazu beitragen, dass ordentlich rekuperiert werden konnte. Ich konnte meinen Mitfahrern eindrucksvoll zeigen, wie gut Rekuperation funktioniert, das Gefälle in Pforzheim reichte aus, um 5 Kilometer Reichweite gut zu machen. Vor der Steigung Richtung Würm, wechselte die Akkurestanzeige auf die Farbe gelb, ein Zustand, der vergleichbar mit der Reservelampe eines Verbrenners ist und signalisiert, dass die letzten 10% erreicht sind. Ich kannte die Strecke jedoch und mir war klar, dass wir ankommen würden. Um 10:15 Uhr erreichten wir unser Ziel.

Hoffentlich funktioniert die Steckdose

Biogasanlage erklärt

Biogasanlage erklärt

Der erste Teil des Abenteuers war also geschafft, nur mussten wir ja auch später wieder die Heimreise antreten, folglich brauchte ich Strom. Der Betreiber des Hofes hatte mir ja zugesagt, bei Ihm laden zu können, nun hoffte ich, dass die Drechstromsteckdose an der Wand auch korrekt angeschlossen war, denn sonst würde meine crOhm-Box den Dienst verweigern. Ich steckte den Stecker in die Starkstromdose und meine Ladebox zeigte grünes Licht. Sehr zu meiner Freude handelte es sich sogar um eine 32A Starkstromsteckdose ich konnte also mit 22 kW laden. Nun schloss ich mein Fahrzeug an und schaute gespannt auf die Ladeanzeige, es dauerte ein paar Sekunden une Zoe lud – die Rückreise war also gesichert. Mit Biogas und Photovoltaik erzeugter Strom füllte den Akku meiner Französin und ich fin an zu rechnen, ob der Strom bis nach Zwingenberg reichen würde oder ob ich nochmal sin Durlach halten müsste, was ich gerne vermeiden wollte, da einer meiner Mitfahrer im Anschluß an die Veranstaltung noch einen Termin hatte.

Zurück ohne Zwischenstopp ?

141115 - 007

Geschafft…wieder zu Hause

Höhe Karlsruhe, wollte ich entscheiden, ob ich die Autobahn noch einmal verlasse oder weiterfahre. Dank des ordentlichen Gefälles vor Karlsruhe fuhr ich mit 120 Kilometern Restreichweite auf die A5. Da es bis zum Ziel nur noch 100 Kilometer waren, sollte der Strom bis Zwingenberg reichen. Ein paar Baustellen auf der A5 zwangen mich, nicht schneller als 80 km/h zu fahren, gut für die Restreichweite ich war also auf der sicheren Seite. Die baustellenfreie Strecke fuhren wir mit 96 km/h und erreichten Zwingenberg mit einer Restreichweite von 40 Kilometern, das sollte noch bis nach Hause reichen und tat es auch. Nach 155 Kilometern erreichte ich meine Stammladesäule mit 16 Kilometern Restreichweite, 171 Kilometer hätte ich also trotz Autobahnfahrt mit dieser Ladung erreichen können.

Fazit

Der Test zeigt, mit ein wenige Vorplanung sind auch längere Strecken sind mit dem Renault Zoe möglich und das sogar bei mäßgen Temperaturen und vollbesetztem Fahrzeug.  Die Reichweitenanzeige arbeitet zuverlässig und am Ende erreicht man teilweise sogar mehr Kilometer als ursprünglich erwartet. Die Tatsache, dass man den Zoe mit 22 und 43 kW laden kann, macht es möglich, längere Strecken auch ohne zu lange währende Ladestopps zurückzulegen, belibt zu hoffen, das Tank 6 Rast ernst macht und das Netz von Ladesäulen an der Autobahn ausbaut. Das Gefühl „sauberen“ Ökostrom zu laden setzt dem Ganzen noch die Krone auf.

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