Stromroaming oder wie eine Ladekarte plötzlich unbrauchbar wird

Man möchte in Deutschland Elektromobilität – zumindest von politischer Seite. Ist man in sozialen Netzwerken unterwegs, steigt der Widerstand gegen Elektromobilität an. Immer häufiger muss ich schlecht recherchierte Beiträge und die entsprechenden Kommentare ertragen und allmählich verliere ich die Lust daran, diese immer und immer wieder zu wiederlegen. Sollen die Anderen doch denken, Elektromobilität sei schlecht, mir bereitet es Spaß und es entspannt mich, unabhängig von den Mineralölkonzernen zu sein, welche mit uns jeden Tag aufs Neue Preisspielchen an der Zapfsäule treiben. Ich steuere einfach die nächste Ladesäule an und tanke mein Auto zum einheitlichen Tarif von 29 Ct/kWh mit meiner ADAC e-Charge-Karte – soweit zumindest die Theorie welche sich hinter der Ladekarte des Automobilclubs verbirgt. Die Praxis sieht seit ein paar Wochen leider anders aus und es ist zum Haare raufen, wenn man einmal in die Mühlen des Strom-Roamings gerät, doch dazu später mehr.

ADAC e-Charge – Vom Grundsatz her eine gute Idee

Kurz nachdem die Telekom ihre Ladekarte auf den Markt brachte, gab es für Mitglieder des ADAC das Angebot einer Ladekarte, welche in Kooperation mit der EnBW arbeitet. Die EnBW verfügt derzeit Dank Roaming über eines der größten Ladenetze und ist aufgrund einer bundesweit einheitlichen Tarifstruktur meist günstiger als die Ladekarte von The New Motion. Bei letzterer ist man gut beraten, sich im Vorfeld zu informieren welcher Tarif an der gewählten Ladesäule gilt, sonst wirds teuer.

Als der ADAC seine Ladekarte vorgestellt hat, habe ich mich über das Netzwerk verfügbarer Ladesäulen erkundigt und war glücklich, dass sämtliche Ladesäulen unserer Region über die e-Charge Karte des ADAC nutzbar sind. Eine Karte für alle Ladesäulen, der Traum eines jeden Elektromobilisten. Vorbei die Zeit, in welcher man eine ganze Brieftasche an Ladekarten mit sich führen musste, diese Karte löst alle Probleme und auf Wunsch geht es sogar ganz ohne Karte per App.

Auf einmal geht nix mehr

.Blöd, wenn man nicht laden kann…

Denkste…zu früh gefreut, denn nach nur ca. 6 Monaten hatte es sich ausgeträumt. Das Drama begann für mich am 27.10.2019, Ich entschied mich, meine Eltern zu besuchen und mein Auto während des Besuchs an der benachbarten Ladesäule, welche von der ENTEGA betrieben wird, aufzuladen. Das habe ich schon oft gemacht und bis dato funktionierte das einwandfrei. Also Kabel raus, Stecker rein, Karte an die Ladesäule halten und los gehts…Fehlanzeige. Die Statuslampe der Ladesäule blinkt rot. Also noch einmal auf Anfang – erneut Ladefehler. Ich zücke mein Handy und versuche es per App. Die mobility+ App der EnBW zeigt mir die Ladesäule an, ich versuche den Ladevorgang zu starten und erhalte die Meldung „Roamingfehler“. Gut, denke ich mir, Störungen können vorkommen und ich entscheide mich, es mit der Karte von The New Motion zu versuchen – siehe da, der Ladevorgang startet. Ich hatte den Vorfall schon fast vergessen, als ich fast zwei Wochen später erneut an einer Ladesäule der ENTEGA laden möchte. Wieder das gleiche Problem, ich kann die Ladesäule mit der ADAC e-Charge-Karte nicht aktivieren, also rufe ich die Störungs-Hotline an.

Wo ENTEGA drauf steht ist LastMileSolutions drin

Nach ca. 10 Minuten Warteschleife meldet sich ECOTAP. ECOTAP ? Es ist doch eine ENTEGA Ladesäule ! Einfach geht es bei Elektromobilität nicht und die Wege der Bezahlung sind äußerst verworren. Betreiber der Ladesäule ist augenscheinlich die ENTEGA, das steht zumindest groß auf der Säule. Ruft man die Hotline an, meldet sich ECOTAP, mit Glück ein Mensch, der deutsch spricht. Meist sind es Holländer, die mäßig deutsch sprechen. Roamingpartner ist laut der App jedoch LastMilesolutions. Also zusammengefasst, ich lade als ADAC-Mitglied über eine Ladekarte der EnBW an einer Ladesäule der ENTEGA, welche über LastMileSolutions abgerechnet wird und irgendwie hängt ECOTAP da auch noch drin…geht es bitte noch komplexer ?

Was jetzt kommt erinnert ein wenig an die Probleme, welche man hat, wenn man als nicht Telekomkunde einen DSL-Anschluss hat, der gestört ist – Keiner ist zuständig und schiebt die Schuld auf den Anderen. Bei ECOTAP teilt man mir zunächst mit, dass vereinzelt wohl schon Probleme mit EnBW-Kunden bekannt seien und ich solle bitte am nächsten Werktag bei der EnBW anrufen. Gesagt getan, am nächsten Tag rief ich bei der EnBW an und erhielt nur die Aussage, man kenne das Problem und würde an einer Lösung arbeiten. In der folgenden Woche geschah exakt nichts ! Ladesäulen, welche via LastMileSolutions (LMS) abgerechnet werden, bleiben mir mit der ADAC e-Charge Karte verschlossen. Also schreibe ich am 12.11. alle Beteiligten an, in der Hoffnung auf eine zufriedenstellende Antwort und eine baldige Lösung des Problems.

Als erstes antwortet mir LMS Fogendes:

Our connection with EnBW is still active and I see transactions at this moment.
Do you have any more information about what is not working? Which charging station is not working and when did you tried to use this station? 
If you can provide me with more information I can check with EnBW what is the cause of this problem

Also antworte ich und gebe die Nummern der Ladesäulen durch. Man sagt mir zu, den Sachverhalt mit der EnBw zu klären. Drei Tage später bekomme ich dann erneut eine Nachricht von LMS:

I just got a reply from EnBW that they currently shut down our roaming agreement due to some issues at their side.
We’re in contact at this moment to solve this as soon as possible and hopefully we can give you access to our charging stations as soon as possible.

Am 13.11. schreibt mit die ENTEGA Folgendes:

Leider gibt es derzeit weitflächige Probleme mit EnBW Ladekarten an unseren Säulen.
Wir sind in Abstimmung mit LMS und EnBW an der Klärung des technischen Problems.

Leider lässt sich nicht genau sagen, wann es wieder funktioniert.

Sie könnten uns aber Ihre Ladekarten Nummer per Email an XXXXXX
Das hilft uns den Fehler konkret zu rekonstruieren.

Die Kartennummer habe ich mitgeteilt und seither nichts mehr von der ENTEGA gehört. Bei der EnBW hielt man es dann schließlich nach fast 2 Wochen für angebracht, auf meine E-Mail-Anfrage zu reagieren:

Es gab bzw. gibt Probleme mit dem CPO (Ladestellenbetreiber). Alle Ladepunkte von LastMileSolution wurden vorerst alle aus der App genommen. Derzeit sind wir mit dem Betreiber in Klärung. Leider können Ihnen keine weitere Auskunft im Moment geben.

Sämtliche Ladesäulen der ENTEGA sind bei EnBW nicht mehr vefügbar

Suuuper…Säulen aus der App genommen und Problem gelöst, zumindest für die EnBW. Die Landkarte der mobility+ App in unserer Region gleicht nun einer Ladewüste aber wen juckt das schon ? Der ADAC hat es im Übrigen bis heute nicht für nötig gehalten, sich zu dem Sachverhalt zu äußern.

Fazit – Abwarten und Teetrinken

Dieses Beispiel zeigt auf, dass noch viel zu tun ist, bevor Elektromobilität praktikabel wird. Seit einem Monat kann man als Nutzer der ADAC e-Charge-Karte in einer kompletten Region nicht mehr laden. So wird das nichts mit der Akzeptanz von Elektromobilität ! Man stelle sich einmal vor, was wohl los wäre, könnte man über 4 Wochen nicht mehr mit EC-Karten an der Tankstelle bezahlen…

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