Zeit für einen Wechsel ?

Über drei Jahre sind wir nun mit dem Renault Zoe rein elektrisch unterwegs, 3 Jahre in denen es wenig zu beanstanden gab. Die Französin hat uns immer brav von A nach B gebracht, zumindest im Rahmen dessen, wass innerhalb Ihrer Reichweite möglich gewesen ist. Technische Ausfälle gab es keine, zwar hat das ein oder andere Teil in den 3 Jahren etwas gemuckt aber wir sind nie liegen geblieben. Nachdem Anfang des Jahres die TCU (das ist das Gerät, welches die Verbindung zum Server herstellt) getauscht wurde, funktionierte auch die Vorwärmung per App bzw. per Webseite endlich halbwegs zuverlässig (hat ja auch nur 2 Jahre gedauert). Zwar kommt es immer wieder einmal vor dass der Befehl zum Start der Heizung nicht ans Fahrzeug übertragen wird, allerdings ist dies nun in maximal 2 von 10 Fällen der Fall und nicht wie zuvor in 8 von 10.

Zuverlässig ja, aber die Verarbeitung…

An der Rhombe fängt die Farbe an, abzublättern

An der Rhombe fängt die Farbe an, abzublättern

Ein großes Manko der Französin ist aus meiner Sicht die Verarbeitung. Dies ist sehr bedauerlich, denn rein optisch macht sie äußerlich schon was her. Die trostlose Hartplastiklandschaft im Innern enttäuscht jedoch, zumal das Hartplastik so weich ist wie ein französischer Cammembert und somit sehr leicht dazu neigt, zu zerkratzen. Einmal den Gurt schnalzen lassen und schon hat man eine Macke in der Verkleidung der B-Säule. Den Türverkleidungen hat man schon nach einem Jahr angesehen, an welchen stellen sie mit dem Blech der Türen verbunden sind, denn dort wird der Kunststoff hell. Nun mag der Ein oder Andere argumentieren, dass ein Auto letztendlich ein Gebrauchsgegenstand ist, dennoch muss man einem 3 Jahre alten Fahrzeug nicht zwingend Gebrauchsspuren ansehen und schaut man sich in der Modellpalette von Renault einmal um, so fällt auf, dass der Konzern durchaus in der Lage ist, Fahrzeuge mit wertigerer Haptik herzustellen. Wäre die Zoe wenigstens auf dem Niveau des Clio, wäre das dem Fahrzeugpreis angemessen aber die kleine Französin ist im Innern eher ein Dacia als ein Renault. Nach etwas über einem Jahr fing die blaue Farbe der vorderen Rhombe an, sich zu lösen, im dritten Jahr blätterte der blaue Lack der Heckrhombe ab. Die Türscharniere der Beifahrertür und der Hecktüren bleiben bisweilen in geöffnetem Zustand hängen und es benötigt einen beherzten Ruck, um die Türen unter einem lauten Knacken zu schließen.

Kleinigkeiten trüben das Gesamtbild aber das innovative Ladesystem überzeugt

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Lädt auch an Wechselstrom schnell – Renault Zoe

Eine getrennt umlegbare Rücksitzbank vermisse ich ebenso schmerzlich wie eine ebene Ladefläche und wäre die Kofferraumklappe im unteren Bereich ein wenig breiter, ließe sich das Fahrzeug etwas besser beladen, hinter der Klappe wäre genügend Platz vorhanden. Die hinteren Sitzplätze sind für Erwachsene eher eine Strafbank, bequem sitzen ist etwas Anderes und das Sitzpolster des Fahrersitzes wies bereits nach etwas über einem Jahr Verschleisspuren in Form von einem faltigen Sitzbezug auf. Trotz all dem muss erwähnt bleiben, dass Renault einer der ersten Hersteller gewesen ist, die ein halbwegs bezahlbares Elektroauto auf den Markt gebracht haben, auch wenn man deutlich merkt, dass in Bezug auf Verarbeitung und Qualität an vielen Ecken gespart wurde. Renault ermöglichte für viele Nutzer den Einstieg in die Welt der Elektromobilität und das nicht nur durch ein verhältnismäßig günstiges Fahrzeug. Bis heute ist das Ladesystem der Französin wegweisend. Zwar können die neuen Modelle nur noch mit maximal 22 kW an Wechselstrom geladen werden, Fahrzeuge anderer renomierter Hersteller wären froh, wenn Sie überhaupt mit 11 kW laden könnten. So sind mit dem Renault auch kurze, effektive Zwischenladungen möglich, in 30 Minuten hat man unter optimalen Bedingungen mal schnell 50% geladen ohne nach einer der seltenen Gleichstromladesäulen suchen zu müssen.

Erste Ermüdungserscheinungen beim Akku

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Schnapszahl – Bereits über 40000 Kilometer rein elektrsich zurückgelegt

Es ist leider traurige Tatsache, dass Akkus im Lauf ihres Lebens an Kapazität verlieren, davon bleibt auch die Zoe nicht verschont. In den ersten beiden Jahren waren kaum Verluste am Lithium Ionen Akku zu spüren, diesen Winter fällt jedoch auf, dass der Akku schon einige Ladezyklen auf der Uhr hat. Nach über 45000 Kilmetern beträgt die Reichweite bei Temperaturen unter 0 Grad mit viel Anstrengung gerade einmal 100 Kilometer. Das entspricht zwar immernoch den Werksangaben, gegenüber dem Neuzustand hat die Reichweite im Winter jedoch um ca. 20 Kilometer nachgelassen, man muss also häufiger an die Ladesäule. Für den Pendler reicht das immernoch aus aber gerade im Winter muss man sich gut überlegen, wie weit man sich mit den Fahrzeug traut. Vor 2 Jahren bin ich auch im Winter problemlos und entspannt 40 Kilometer in den Odenwald gefahren, heute ertappe ich mich bei dem Gedanken, vielleicht doch eher den Verbrenner zu nehmen. So überkommt den erfahrenen Elektromobilisten ein Gefühl, welches er bereits verdrängt hatte – die Reichweitenangst.

Edit: Ein Upgrade des Batterie-Management-Systems (BMS) Anfang des Jahres 2017 brachte Abhilfe. Betrug die Akkugesundheit (SOH) bei der Inspektion im November 2017 nur noch 83 %, so brachte der Akku nach dem Update wieder die volle Leistung. Mehr Infos dazu hier.

Wer die Wahl hat hat die Qual

Waren Tesla, Renault, Mitsubishi und Nissan 2013 noch die einzigen Hersteller mit Elektrofahrzeugen, so hat sich in der Zwischenzeit doch ein wenig getan. Gerade seit dem letzten Pariser Autosalon scheint Bewegung in die Elektromobilität zu kommen. Opel präsentierte mit dem Ampera-e ein Auto, was bis zu 500 Kilometern Reichweite schaffen soll, Hyundai bringt mit dem Ioniq ein sehr effizentes und bezahlbares Elektroauto mit 280 Kilometern Reichweite auf den Markt und Renault legt wieder einmal vor und spendiert der Zoe einen Akku, welcher doppelt so viel Reichweite (400 km) wie der Vorgänger verspricht und im Vergleich zum Wettbewerb das einzige Fahrzeug mit akzeptabelen Ladezeiten an Wechselstromladesäulen (Typ2) ist. Im November kommenden Jahres läuft der Vertrag für meine Zoe aus, behalten werde ich sie nicht, da ich gerne etwas mehr Reichweite hätte. Im Großen und Ganzen reichen mir die maximal 180 Kilometer zwar, da der Akku aber allmählich Federn lässt und ich nicht wegen jeder etwas längeren Fahrt in den Verbrenner steigen möchte, ist nun die Überlegung, welches Fahrzeug als nächstes in meinen Fuhrpark kommt. Wird es ein Koreaner oder ein Deutscher oder trotz der kosmetischen Mängel wieder einen Französin ? Ich werde in den kommenden Monaten mal ein paar Fahrzeuge in Bezug auf Reichweite und Ladedauer testen und darüber berichten, es bleibt spannend. Mein nächstes Auto wird aber sicher eines, elektrisch angetrieben !

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