Meine ersten 10000 elektrischen Kilometer

Wahnsinn, wie die Zeit vergeht, gerade erst habe ich Zoe bekommen, da stehen auch schon 10000 Kilometer auf dem Tacho. 9 Monate sind wir nun schon elektrisch unterwegs und irgendwie ist die Elektromobilität für uns schon so selbstverständlich und alltäglich, wie das Autofahren an sich. 251113 - 1Ich stehe einmal wieder an der Ladesäule des Media-Marktes in Weiterstadt, einer der wenigen öffentlichen Ladesäulen in unserer Region, welche zudem Ökostrom liefert. Der Tacho von Zoe zeigt 9994 Kilometer an als ich die Ladesäule verlasse. Oft erntet man neugierige Blicke, wenn man dort, direkt neben dem Eingang des Marktes, in sein Fahrzeug steigt. So stand auch heute ein Paar vor dem Eingang und wartete bis ich losfuhr. Einer der Beiden zeigte auf mein Fahrzeug und neigte sein Ohr ungläubig in Richtung Motorhaube – Fehlanzeige nichts zu hören denn ich hatte die Fussgängerhupe, welche ein Motorgeräusch simuliert, abgeschaltet.

Es gibt noch viele Vorurteile zur Elektromobilität

Leider ist nicht jeder der Elektromobilität gegenüber positiv aufgeschlossen, so habe ich in den letzten Monaten die ein und andere heiße Diskussion mit den reinsten Elektroautogegnern geführt. Dabei werden immer wieder die gleichen Argumente gebracht, Elektroautos seien genauso schmutzig wie aktuelle Verbrenner, Elektroautos seien unwirtschaftlich, weil sie viel zu teuer sind und ausserdem wird sich diese Technologie nicht durchsetzen, weil die Fahrzeuge langsam und klein sind und eine zu geringe Reichweite haben. Besonders interessant fand ich die Aussage eines Forenmitgliedes bei Heise, welcher mir unterstellen wollte, ich hätte längst selbst realisiert, dass das Elektroauto ein Irrweg sei und würde mich sicher schon darüber ärgern, so ein Fahrzeug gekauft zu haben. Das Gegenteil ist der Fall, denn ich genieße jede lautlose und lokal emissionsfreie Fahrt und Preisschwankungen an den Tankstellen lassen mich mittlerweile relativ kalt. Doch was treibt Gegner der Elektromobilität an ? Sind das Inhaber von Mineralölaktien oder Menschen mit einer gesteigerten Affinität zu Verbrennungsmotoren, sind es Dummheit, Schuldbewusstsein oder die Angst vor Neuem ?

Es muss mehr Aufklärung betrieben werden

Doch wen wundert die schlechte Meinung über Elektrofahrzeuge wenn selbst vermeintlich seriöse Plattformen wie Heise diese Vorurteile auch noch bekräftigen. Elektroautos seien teuer, würden Stunden laden und hätten kaum Reichweite ist dort zu lesen, das Elektroauto sei auf dem Holzweg. Ein großer, deutscher Autohersteller wirbt gerade offensiv mit der Widerlegung der größten Vorurteile zum Thema Elektromobilität. Nach nun 10000 elektrischen Kilometern habe ich genügend Erfahrungen gesammelt, um zu den gängigen Vorurteilen mit meinen eigenen Erfahrungen, neutral Stellung nehmen zu können.

Elektroautos sind teuer

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21790 € kostet ein vergleichbar ausgestatteter Renault Clio mit Dieselantrieb

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23500 € kostet der Renault Zoe Intens incl. Wallbox

Dieses Argument versucht der große, deutsche Automobilhersteller nicht zu entkräftigen, kein Wunder, denn dessen Fahrzeuge sind in der Tat doppelt so teuer, wie die Einsteigermodelle  mit thermischem Motor, leider trifft dies immer noch für einen Großteil der Elektrofahrzeuge zu. Egal ob BMW i3, Mercedes B-Klasse oder VW E-Golf, mit ein wenig Ausstattung kosten diese Fahrzeuge schnell über 40000 €. Dass Elektromobilität nicht teuer sein muss beweist Renault. Ein gut ausgestatteter Renault Zoe kostet gerade mal 600 € mehr als ein vergleichbar ausgestatteter Clio mit Dieselantrieb. Natürlich darf man nicht die Batteriemiete verschweigen, welche einen bei 15000 km Jahreslaufleistung gut 1000 € kostet. Dafür trägt das Risiko eines defekten Akkus aber auch der Hersteller.

Elektroautos eignen sich nur für kurze Strecken

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157 Kilometer zurückgelegt und noch min. 17 km Reichweite – Reichweiten von um die 180 Kilometer sind problemlos machbar !

Falsch ! Bezahlbare Elektroautos habe heute schon eine Reichweite von i.d.R. 150 Kilometer. Ich habe schon 180 Kilometer erreicht, wie weit man kommt, hängt vom eigenen Gasfuß ab. Wer elektrisch unterwegs ist, lernt vorausschauend zu fahren, denn wer nicht immer voll beschleunigt und rechtzeitig vom Gas geht, der optimiert seine Reichweite. Im Vergleich zu Verbrennern benötigt das Elektroauto in der Stadt sogar weniger Energie, das beim Ausrollen und Verzögern Energie zurück in den Akku gespeist wird. Ich bin schon 5 Kilometer durch die Stadt gefahren, ohne dabei auch nur einen Kilometer Reichweite verloren zu haben.

Elektroautos sind genau so schmutzig wie Verbrenner

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Kann auch sauber laden – Das Elektroauto

Sofern diese mit durch Kohle- oder Atomkraft gewonnene Energie geladen werden, ja, allerdings hat man beim Elektroauto im Gegensatz zum Verbrenner die Möglichkeit „sauberen“ Strom zu laden. Ich selbst achte darauf, mein Auto überwiegend mit Ökostrom zu laden. Ausserdem darf man nicht die Energie vergessen, welche benötigt wird, um das Öl von der Quelle bis zum Tank des eigenen Fahrzeugs zu befördern, dafür kann man schon einige Kilometer elektrisch zurücklegen. Zu guter Letzt entlasten Elektroautos unsere Städte, denn lokal stossen diese keine Abgase aus.

Elektroautos laden lange

Auch das ist ein Vorurteil, welches der große, deutsche Fahrzeughersteller nicht widerlegt, kein Wunder, denn seine Fahrzeuge benötigen in der Tat 6-8 h Ladezeit für 200 Kilometer Reichweite. Dies ist allerdings nicht mehr zeitgemäß, die meisten Hersteller bieten Schnellladeoptionen mit teilweise Ladezeiten von 30 Minuten für 80% Ladung an. Ich benötige meist zwischen 1 und 3 Stunden für den Ladevorgang, je nach dem welche Ladeleistung mir zur Verfügung steht.

Reichweitenangst

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In einer Stunde voll aufgeladen – Der Renault ZOE

Viele, die über ein Elektroauto nachdenken, haben Angst davor ohne Strom liegen zu bleiben. Aus meiner Sicht ist diese Angst völlig unbegründet. In den 10000 Kilometern, welche wir bereits zurück gelegt haben ist uns nie der Strom ausgegangen. Wer solch ein Fahrzeug fährt lernt schnell, wie weit er kommt, zudem informiert einen der Bordcomputer permanent über die noch zu erwartende Reichweite. Ich vergleiche das gerne mit einer Urlaubsfahrt mit dem Verbrenner, hier weiß der Besitzer in der Regel, wann er tanken muss, nichts Anderes ist das beim Elektrofahrzeug. Ferner fahren die wenigsten mehr als 150 Kilometer am Tag.

Mein Fazit nach 10000 Kilometern

Das Fahren mit dem Elektroauto ist für uns ein alltäglicher Prozess geworden. Ich freue mich darüber aktuell noch in den Genuss zu kommen, kostenlos laden zu können und damit meine Unkosten fürs Pendeln merklich zu verringern. Reichweitenangst ist für uns kein Thema ich möchte allerdings darauf hinweisen, dass ein Elektroauto zum persönlichen Anforderungsprofil passen muss. Für Haushalte mit nur einem Fahrzeug oder für Pendler mit mehr als 150 Kilometern täglich, ist Elektomobiliät noch unbequem und eher ungeeignet, alle anderen sollten beim nächsten Fahrzeugwechsel ein Elektroauto in Betracht ziehen.

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4 Antworten zu Meine ersten 10000 elektrischen Kilometer

  1. Christian sagt:

    Was die Argumente der Elektroauto-Gegner betrifft, dass die Elektro-Fahrzeuge langsam sind und eine geringe Reichweite haben, so kann man in diesem Fall wohl am besten auf den Tesla S hinweisen, der selbst so manche Sportwagen in den Schatten stellt, was den Antrieb betrifft und auch eine Reichweite hat, die ähnlich von herkömmlichen Autos ist. Leider ist der Wagen aber auch sehr teuer und wird für mich wohl so schnell nicht erschwinglich sein. Was den Zoe betrifft, so ist es wirklich zur Zeit der enzige Elektrowagen, mit dem ich mich näher befasse, denn auch der e-Golf und der i3 sind mit knapp 35.000 Euro viel zu teuer für mich und ich finde es beeindruckend, dass Renault mit dem Zoe preislich so nah am Clio liegt. Zudem gefällt er mir auch vom Design von allen am besten. Insbesondere mit dem i3 konnte ich designtechnisch bisher nicht viel anfangen.

  2. Walter sagt:

    Ja, schöne Testbedingungen im hessischen Ried. Was für ein Test ohne die geringste Herausforderung. Ich habe da mal einen Vorschlag, bei dem fast jedes Elektroauto versagt: 3 Jahre alte Batterie + Wintertemperatur – 20 Grad + Bergauffahrt in den Taunus (500 Höhenmeter). So – jetzt ihr, meine lieben Ingenieure. Das schafft kaum einer. Und das ist dann der Grund, warum sich die Elektroautos kaum durchsetzen werden. Außerdem ist ein gebrauchter Akku die größte Umweltsauerei seit der Atomkraft.

    • admin sagt:

      Das ist wieder einmal die typische Sichtweise eines Verbrenner-Lobbyisten, welcher sich nicht mit der Thematik auseindandergesetzt hat. Im Übrigen ist der Artikel ist über 2 Jahre alt. Mittlerweile ist meine Zoe über 3 Jahre und hat mehr als 47000 Kilometer zurückgelegt. In den letzten Monaten waren die Temperaturen bis zu 10° unter Null und dennoch hat es der über 3 Jahre alte Akku bei defensiver Fahrweise auf 100 Kilometer Reichweite gebracht. Natürlich zeigen sich Elektroautos bei niedrigen Temperaturen von ihrer schlechten Seite, das Laden dauert deutlich länger und die Reichweite schrumpft. Das liegt jedoch nur bedingt am Einsatz von Heizung und Licht, sondern daran, dass Akkus bei niedrigen Temperaturen nicht die volle Kapazität bringen. Trotzdem eignet sich die Zoe fürs Alltagsgeschäft, nicht nur im hessischen Ried, auch regelmäßige Fahrten in den hessischen Odenwald (über 800 Höhenmeter) meistert die kleine Französin problemlos – Sommer wie Winter. Das Schöne, die bei Bergauffahrten zusätzlich verbrauchte Energie wird bei Bergabfahrten größten Teils per Rekuperation zurückgewonnen, versuchen Sie das mal mit einem Verbrenner.
      Zum Thema Akkus und Umweltverträglichkeit gibt es bereits Recycling-Modelle, welche für die Akkus ein zweites Leben als Stromspeicher fürs Haus vorsehen. Abgesehen von dem Dreck, den ein Verbrenner tagtäglich erzeugt, ein Elektroauto kann mit regenerativ gewonnener Energie betrieben werden, sollte in Betracht gezogen werden, wie umweltverträglich die Entsorgung eines Verbrennerantriebs mit seinen ganzen Ölen ist.
      Nicht zu vergessen, die Zoe ist Baujahr Ende 2013 und zählt zu den ersten Serienfahrzeugen, welche von Anfang an als Elektroauto konzipiert wurden. Das 2017er Modell schafft mit einem 41 kW Akku 400 km NEFZ, real also im Sommer mindestens 300 und im Winter je nach Fahrweise bis zu 200 Kilometern. Der Markt wächst, Hyundai bietet mit dem IONIQ beispielsweise ein sehr effizentes Elektroauto mit einer Reichweite von 280 Kilometern an, welches an Schnellladesäulen in 30 Minuten aufgeladen werden kann. Die Alltagstauglichkeit wird folglich immer besser.
      Nach über 3 Jahren kann ich die Alltagstauglichkeit von Elektroautos nur bestätigen, unsere Zoe hat uns nie im Stich gelassen, uns ist nie der Strom ausgegangen und ich habe viel Kraftstoff und Geld gespart. Der Wunsch nach etwas mehr Reichweite und Komfort wird jedoch aller Voraussicht nach einen zeitnahen Wechsel zum Hyundai IONIQ zur Folge haben, natürlich in der rein elektrischen Variante !
      Während Andere versuchen das Elektroauto schlecht zu reden, freue ich mich hingegen über eine sensationelle Beschleunigung und niedrige Unterhaltskosten. Dank der höheren Reichweite werde ich in Zukunft noch mehr Fahrten rein elektrisch zurücklegen können.

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